Bildungsmaterial

Um gemeinsam mit Kindern und Jugend den Lehr-, Lern und Vermittlungsort zu erschließen, wurden im Rahmen des Projekts verschiedene Materialien und Methoden entwickelt, die hier zum Download zur Verfügung stehen. Jede Methode knüpft an einen der drei Leitthemen an:

  • Muldenhütten als Innovationsstandort in Vergangenheit und Gegenwart
  • Muldenhütten als Teil des Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří
  • metallurgische Kreislaufprozesse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Für jeden diesen Themenbereich liegt eine inhaltliche Einführung vor. Diese Sachanalysenbasieren auf den Texten der drei thematischen Ausstellungen des Verbundprojektes. Jeder Methode und jedem Material ist ein Methodenblatt für Vermittler:innen vorangestellt. Die Methodenblätter sind einheitlich aufgebaut. In der Kopfzeile werden Informationen zu Alter, Niveaustufe, Fach, benötigter Zeit und Sozialformen gegeben.

Insgesamt werden drei Niveaustufen von reduzierter, mittlerer und schwerer Anforderung unterschieden. Weiterhin werden wesentliche Ziele der Methode formuliert. Das Methodenblatt enthält Hinweise zum Ablauf, zu den Anforderungen an den Raum und den benötigten Materialien. Einige der Methodenblätter verweisen auf Materialien, die beim Förderverein Montanregion Erzgebirge oder anderen Bildungsträgern ausgeliehen werden können.

Sachanalysen

Sachanalyse: Metallurgische Kreislaufprozesse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Nachhaltigkeit, Recycling und Kreislaufwirtschaft sind derzeit in aller Munde. Gleichzeitig stellen die damit verbundenen Herausforderungen in einem globalen Wirtschaftssystem erhebliche Hürden dar.

Ein Produkt durchläuft verschiedene Lebenszyklen: Design, Herstellung, Vertrieb, Nutzung und Entsorgung. Endet das Leben eines Produkts mit der Deponierung auf einer Mülldeponie, spricht man von Linearwirtschaft. Das bedeutet auch, dass viele wertvolle Rohstoffe ungenutzt auf Müllhalden lagern. Die Kreislaufwirtschaft hingegen ist ein Wirtschaftsmodell, bei dem die Entsorgung nicht das Ende, sondern den Beginn eines neuen Produktkreislaufs darstellt: Wiederaufbereitung und Wiederverwendung führen dazu, dass Produkte und enthaltene Rohstoffe möglichst lange im Wirtschaftskreislauf verbleiben.

Die Idee der Wiederverwertung ist keine moderne Erfindung. Ein Blick in die Geschichte hilft, die Beweggründe, Chancen und Hemmnisse der Kreislaufwirtschaft besser zu verstehen.

Bereits in vorindustriellen Gesellschaften wurden Produkte wiederverwendet. Geräte und Waffen aus Metall etwa wurden eingeschmolzen und neu verarbeitet — auch deshalb, weil der Abbau von Erzen aufwendig war und Rohstoffe nur begrenzt zur Verfügung standen. Schon Georgius Agricola beschrieb im 16. Jahrhundert ein technisches Verfahren, bei dem der Rauch von Schmelzhütten durch Schornsteine geleitet wurde, um möglichst viel Staub an deren Wänden ablagern zu lassen. Dieser Staub wurde regelmäßig abgeschabt, eingeschmolzen und wiederverwendet.

Mit den technologischen Entwicklungen ab dem späten 18. Jahrhundert wurde der Zugang zu Ressourcen deutlich erleichtert. Im 19. und 20. Jahrhundert führte dies zu einem Preisverfall bei Grund- und Rohstoffen.

Während der Industrialisierung waren Mangel und Not alltäglich — Produkte wurden daher repariert und wiederverwendet. Besonders während der Kriegszeiten war die Bevölkerung angehalten, Materialien für die Kriegswirtschaft zu spenden. Ein bekanntes Beispiel ist der Slogan „Gold gab ich für Eisen“, der erstmals 1813 während der Befreiungskriege und erneut im Ersten Weltkrieg propagiert wurde.

Unter dem Nationalsozialismus war die Idee einer autarken deutschen Wirtschaft ein zentrales ideologisches Ziel. Im totalen Krieg sollte daher auch total recycelt werden. Alle verfügbaren Metallgegenstände wurden gesammelt und wiederverwertet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand in den westlichen Gesellschaften zunächst keine Notwendigkeit

zum Recycling. Die Verfügbarkeit von Rohstoffen und die Vorstellung, dass Sammeln und Wiederverwertung eine Belastung für den Konsumenten darstellen, führten in der Bundesrepublik im Zuge des Wirtschaftswunders zu einer Massenkonsum- und Wegwerfgesellschaft.

In der DDR hingegen wurde ab den 1950er-Jahren die SERO-Bewegung (Sekundärrohstofferfassung) etabliert, da sowohl Rohstoffe als auch Devisen zum Einkauf dieser Ressourcen knapp waren.

In den 1970er-Jahren führte die Ölpreiskrise der westlichen Welt die Grenzen der Ressourcenverfügbarkeit drastisch vor Augen. Das Umweltbewusstsein stieg — erste Umwelt- und Sparmaßnahmen wurden ergriffen. Abfall wurde zunehmend als Hauptverursacher von Umweltverschmutzung erkannt. In diesem Kontext entstand die Umweltbewegung, und erste Bürger begannen, Abfälle zu trennen.

Mit der deutschen Wiedervereinigung Anfang der 1990er-Jahre wurde das vereinigte Land mit einem enormen Müllproblem konfrontiert. Die Abfallberge wuchsen, und auch die Altlasten des Bergbaus stellten Unternehmen vor große Herausforderungen. In dieser Phase gewann die Idee der Kreislaufwirtschaft an Bedeutung, und es begann eine gezielte Optimierung von Produktkreisläufen.

Historisch wie aktuell gab und gibt es unterschiedliche Beweggründe für Kreislaufwirtschaft. Der Umweltschutz ist dabei nur ein Aspekt. Ebenso wichtig ist die Entlastung von Flächen und Wasserressourcen. Ökonomische Motive spielen eine zentrale Rolle: Kreislaufwirtschaft hilft, knappe Ressourcen zu schonen, Kosten für den Rohstoffkauf zu senken und damit die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen zu steigern.

Beispiele aus dem Hüttenstandort Muldenhütten

Einsatz von Wasser

Im Verhüttungsprozess wurde Wasser als nachhaltige Ressource vielfach eingesetzt. So diente die Wasserkraft beispielsweise zum Antrieb der Zylindergebläsen, als Transportweg für Holz, zum Antrieb der Pochwerke, als Rohstoff für die Schwefelsäureherstellung und als Kühlwasser. Die Zylindergebläse

sind essenziell, da sie eine kontinuierliche Sauerstoffzufuhr ermöglichen und so die Verbrennung und Oxidation der Metalle fördern. Mit wachsender Erzproduktion und dem Übergang zu Steinkohle stießen die traditionellen Balgengebläse aus Leder und Holz an ihre Grenzen. Deshalb wurden gusseiserne Zylindergebläse eingeführt — eine bedeutende Innovation, insbesondere in den 1820er-Jahren.

Das von Maschinendirektor Christian Friedrich Brendel (1776—1861) entwickelte Zylindergebläse wurde im November 1828 in Muldenhütten in Betrieb genommen — als erste Balancier-Maschine aus Gusseisen im Erzgebirge. Über ein Wasserrad wurde Druckluft für mehrere Öfen erzeugt. 1848 wurde ein dritter Zylinder hinzugefügt und der Antrieb durch eine leistungsfähigere Fourneyron-Turbine ersetzt. Das Gebläse war bis 1954 in Betrieb und ist heute ein Technisches Denkmal.

Vom Rauch zum Rohstoff

Mit dem Betrieb der Flammöfen in Freiberg kam es ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu verstärkten Beschwerden über Rauchschäden in Land- und Forstwirtschaft. 1855 wurden erstmals Entschädigungszahlungen geleistet. Deshalb versuchte man durch verschiedene Verfahren die in den Rauchgasen enthaltenen Schadstoffe zu reduzieren. So lenkte man den Rauch durch große Flugstaubkammern, in denen das Gas abgekühlt wurde und dabei Arsen ausschied. Das so gewonnene Arsenik verarbeitete man in der Arsenikhütte weiter.

Clemens Winkler (1838—1904), der Hüttenmeister im Blaufarbenwerk in Pfannenstiel war, musste ebenfalls Lösungen für die Luftverschmutzung und das Baumsterben finden, über die sich die Anwohnenden der Hüttenwerke beschwerten. Er entwickelte in den 1870er-Jahren ein Gasmessrohr — die Gasbürette — zur Analyse der Abgase. Außerdem experimentierte er mit der Umwandlung von Schwefeldioxid in Schwefeltrioxid mittels Katalyse und ließ 1878 einen Platin-Katalysator patentieren. In Schindlers Blaufarbenwerk errichtete er die weltweit erste Rauchgasentschwefelungsanlage. Auf seinen Entwicklungen basieren bis heute Abgasreinigungsverfahren.

Noch im selben Jahr wurde in Muldenhütten eine Versuchsanlage nach dem Kontaktverfahren errichtet — erstmals konnte so wirtschaftlich und technisch effizient rauchende Schwefelsäure hergestellt werden. Schwefelhaltige Gase aus dem Erz-Röstprozess wurden über Trockenfilter geleitet, anschließend in beheizte Kontaktöfen mit Platinmasse geführt und dort in Schwefeltrioxid umgewandelt. Durch Berieselung mit konzentrierter Schwefelsäure entstand dann die begehrte rauchende Schwefelsäure.

Weiternutzung von Schlacken

Beim Schmelzprozess entstand als Nebenprodukt eine glasartige Masse — die Schlacke. Diese wurde in Wasserbecken neben der Schachtofenhütte abgeschreckt und anschließend als Isolations- oder Baumaterial verwendet. Während des Nationalsozialismus wurde in Muldenhütten die Schlackenmetall GmbH gegründet. Sie wollte aus den umliegenden Schlacken und Halden verwertbare Metallressourcen für die Kriegswirtschaft gewinnen. Es kam nie zur Inbetriebnahme.

Recycling von Bleiakkus

Mit der Schließung des Freiberger Bergbaus Ende der 1960er-Jahre wurde die Muldener Hütte auf die Verarbeitung von Sekundärrohstoffen umgestellt.

Es begann die Aufbereitung von Akkuschrott zur Rückgewinnung des darin enthaltenen Bleis. Der Übergang von Primär- zu Sekundärrohstoffen war mit technischen Herausforderungen verbunden — etwa bei der Bewältigung des nun vermehrt auftretenden Flugstaubs. 1993 wurde die Hütte von der Rheinischen Zinkgesellschaft GmbH übernommen und als Muldenhütten Recycling- und Umwelttechnik GmbH weitergeführt. Heute gehört der Standort zur Ecobat Resources Freiberg GmbH. In den folgenden Jahren wurde eine moderne Sekundärbleihütte aufgebaut. Kunststoffbestandteile und Blei aus Altbatterien werden heute vor Ort recycelt. Durch Kooperation wird der Kreislauf für Bleiakkus vollständig geschlossen.

Flächenrecycling

Zwischen 1993 und 2001 sanierte die SAXONIA Standortentwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH belastete Flächen auf dem Hüttengelände.

Ein Beispiel ist die Sanierung der Alten Arsenhütte. Produktionsanlagen, Gebäude und Rauchgaskanäle wurden abgetragen, Flugstäube entfernt und ordnungsgemäß entsorgt. Die Fläche wurde abgedichtet und asphaltiert. Heute befindet sich dort die Kartbahn des Kart-Club Freiberg e. V. Diese Maßnahmen reduzierten nicht nur die Umweltschäden, sondern ermöglichten auch eine Nachnutzung der Fläche.

Literatur

  • Ladwig, Roland: Recycling in Geschichte und Gegenwart. Vorträge der Jahrestagung der Georg-Agricola-Gesellschaft 2002 in Freiberg (Sachsen), Freiberg 2003.
  • Kolmschlag, Franz-Peter: Die Schlackenmetall GmbH in Muldenhütten: Ein innovatives Recyclingprojekt zur falschen Zeit, Freiberg 2022.
  • Kolmschlag, Franz-Peter/Muldenhütten Recycling und Umwelttechnik GmbH (Hg.): Sieben Jahrhunderte Hüttenstandort Muldenhütten, Freiberg 2010.
  • SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH: Standort Hütte Muldenhütten, in: URL: https://www.saxonia-freiberg.de/projekte/projekt-3-1-1-2-1-1-1-1, zuletzt eingesehen am 1.9.2025.
  • Haustein, Mike: Das sächsische Kobalt- und Blaufarbenwesen. Geschichte, Technologien und Denkmale, Halle (Saale) 2020.

Sachanalyse: Muldenhütten als Innovationsstandort in Vergangenheit und Gegenwart

Seit Jahrtausenden beruht die menschliche Zivilisation auf dem Montanwesen. Von Anfang an beförderte es durch den Austausch von Waren, Spezialisten und Wissen die Kommunikation zwischen den Menschen. Das Montanwesen bildete die Grundlage für Reichtum und Wohlstand in Städten, Regionen und Staaten. Gleichzeitig förderte es Bildung und Wissenschaft, politische und militärische Macht, Kunst und Kultur, aber auch die Ausbeutung von Arbeitskräften und natürlichen Ressourcen; es verursachte enorme Schäden bei Menschen sowie in der Natur. All diese positiven und negativen Aspekte bezeugt auch die mehr als 800-jährige Geschichte des Montanwesens auf sächsischer und böhmischer Seite des Erzgebirges. Ab dem Mittelalter begann die Gewinnung von Silber und Zinn; sie endete gegen Ende des 20. Jahrhunderts mit dem Abbau von Uran. Dennoch bergen die Erzvorkommen der Region bis heute begehrte Rohstoffe wie Lithium und weitere für unsere Industriegesellschaft wichtige Erze, sodass eine Fortsetzung der Montangeschichte des Erzgebirges durchaus denkbar erscheint.

Der im Erzgebirge verbreitete Slogan „Alles kommt vom Bergwerk her“ weist bis heute nur auf eine der tragenden Säulen des Montanwesens hin. Von Anfang an fand die eigentliche Wertschöpfung in den zahllosen Schmelzhütten der Region statt. Aus diesem Grund entstanden nach 1186, als der Bergbau in und um Freiberg begann, neben den Gruben auch Schmelzhütten. Die zunächst im Bergbau des Erzgebirges und später auch im Ausland geförderten Erze wurden hier über Jahrhunderte verhüttet. Über Jahrhunderte war dabei das Silber das wichtigste Endprodukt; später kamen auch Kupfer, Blei, Zink, Arsen, Zinn und Schwefel hinzu. Drei metallurgische Verfahren kamen zur Anwendung: das Rösten zur Entfernung des Schwefels, das Schmelzen zum Sammeln des Silbers im Blei sowie das Abtreiben des Bleis in Form der Bleiglätte. Nur durch das Verhütten konnten die Metalle für die Herstellung von Gebrauchsgegenständen, Schmuck, Werkzeugen, Maschinen und Waffen bis hin zu unseren heutigen Mikrochips nutzbar gemacht werden.

Die Lage der Schmelzhütten wurde bewusst gewählt. Sie wurden in der Nähe der Erzgruben an Wasserläufen wie der Freiberger Mulde angelegt, um die Wasserkraft zum Antrieb der Pochwerke und der Zylindergebläse zu nutzen. Die Pochwerke waren für die Zerkleinerung der Erze notwendig, die Zylindergebläse, um eine konstante Sauerstoffzufuhr und damit anhaltend hohe Temperaturen zu gewährleisten. Die waldreiche Gegend lieferte zudem Holz zur Herstellung von Holzkohle, die für die Hüttenprozesse unentbehrlich war. So entstanden am großen Muldenbogen die obere und die untere Muldener Hütte, erstmals belegt in einer Urkunde aus dem Jahr 1318. Das macht Muldenhütten zu einem der ältesten bis heute genutzten Hüttenstandorte weltweit.

Mitte des 16. Jahrhunderts gab es in der Gegend um Freiberg neben den etwa 700 nutzbaren Erzgruben auch fast 50 Schmelzhütten. Einige von ihnen gingen in kurfürstlichen Besitz über, so auch die beiden Muldener Hütten im Jahr 1555. Sie wurden in der Folgezeit immer weiter ausgebaut, während viele kleine Schmelzhütten ihren Betrieb einstellen mussten. Ursächlich für diese Schließungen war auch die Einführung der Generalschmelzadministration 1710 und die damit verbundene Verstaatlichung der Erzverhüttung.

Ein zunehmendes Problem war der Rückgang des Silbergehaltes in den Erzen und damit auch der zu verhüttenden Erzmenge. Zudem stand schon bald nicht mehr ausreichend Holzkohle zur Verfügung. Es bedurfte innovativer Alternativen, und so begannen Wissenschaftler an der Bergakademie Freiberg nach Lösungen zu suchen. Die Arbeiten von Christlieb Ehregott Gellert (1713–1793) und Wilhelm August Lampadius (1772–1842) führten schließlich dazu, dass ab 1820 für die Röst- und Schmelzprozesse Steinkohle beziehungsweise Koks zum Einsatz kamen.

Die Zusammenlegung der beiden Schmelzhütten im Jahr 1825 zur Königlichen Muldener Hütte markierte einen Wendepunkt. Durch diese Vereinigung konnten Prozesse besser koordiniert und die Produktion von Silber und Blei weiter gesteigert werden. In den folgenden Jahrzehnten wurden in Muldenhütten weitere Innovationen entwickelt. Neue Verfahren wie das Pattinsonverfahren (1855) zur Anreicherung des Silbers im Werkblei wurden eingeführt und die Produktion weiterer Metalle intensiviert. Zahlreiche neue Anlagen entstanden, darunter die Zinkhütte und die Schwefelsäurefabrik (beide 1857) sowie die Arsenhütte und die Tonwarenfabrik (1863). Ein Teil dieser Anlagen ist noch heute auf dem historischen Hüttengelände erhalten. Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen die Erzlieferungen aus dem Erzgebirge ab. Deshalb wurden ab 1855 fremde Erze eingekauft, vornehmlich aus europäischen Ländern, aber auch aus China und Übersee, so zum Beispiel aus Australien und Südamerika. Welche historische Bedeutung der Standort Muldenhütten hatte, wird dadurch deutlich, dass 1887 die sächsische Münze von Dresden nach Muldenhütten verlegt wurde, wo bis 1953 Münzen und Medaillen mit dem Münzzeichen E geprägt wurden.

Während der Zeit des Nationalsozialismus gründete sich die Schlackenmetall GmbH. Ziel des Betriebes war es, Verfahren zu entwickeln, um die beim Verhüttungsprozess entstehenden Schlacken und die darin befindlichen Rohstoffe wieder nutzbar zu machen. Einbezogen werden sollten dabei auch jene Schlacken, die sich in Muldenhütten in den vergangenen Jahrhunderten angehäuft hatten. Aufgrund des Materialmangels während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bau der Anlagen aufgegeben. Zur Rolle von Zwangsarbeit in Muldenhütten besteht weiterer Forschungsbedarf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Muldenhütten in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt und 1961 mit anderen Betrieben zum VEB Bergbau- und Hüttenkombinat Albert Funk zusammengelegt. Mit der Stilllegung des Freiberger Bergbaus 1969 wurde die Hütte Muldenhütten zur reinen Sekundärhütte ausgebaut. Der Ausbau erfolgte auch auf technischem Gebiet: 1972 nahm man den neuen Schachtofen II mit dazugehöriger Raffinationsanlage in Betrieb, 1983 die neue Bleihütte mit Aufbereitungsanlage, Flammöfen und Bleiraffination. Nach der Friedlichen Revolution erfolgte 1994 der letzte größere Umbau mit neuer Aufbereitungsanlage und Kurztrommelöfen. Das Kombinat Albert Funk wurde aufgelöst und privatisiert; ein Großteil der Belegschaft wurde entlassen. Der Betrieb Muldenhütten Recycling und Umwelttechnik GmbH, heute zum Konzern ECOBAT zugehörig, übernahm Teile der Anlagen und Gebäude. Mit der Ansiedelung der Unternehmen nach 1990 konnte in Muldenhütten die Tradition als Hüttenstandort fortgesetzt werden.

Trotz der Maßnahmen zur Minimierung der Umweltschäden haben sich in Muldenhütten Altlasten aus mehreren Jahrhunderten angesammelt. Der ganze Standort ist eine Altablagerungsfläche von Schlacken, ebenso die angrenzenden Halden des Muldenbogens, die ein eindrucksvolles Zeugnis der menschengemachten Umweltzerstörung früherer Jahrhunderte sind. Größte Herausforderungen waren Anfang der 1990er-Jahre der Umgang mit der hochkontaminierten Anlage der Alten Arsenhütte und den vielen mit Arsen, Blei, Kupfer, Cadmium, Zink und anderen Schwermetallen belasteten Schlackenhalden. Seit 1993 fanden in Muldenhütten aufwendige Maßnahmen im Rahmen des SAXONIA-Altlastenprojektes zur Behebung der Umweltschäden statt, darunter der Abriss der Alten Arsenhütte, Maßnahmen zur Flächenabdichtung sowie die Sanierung der Schlackenhalden im Muldenbogen, der historischen Rauchgaskanäle und des Geländes am Schachtofen I.

Zusätzlich zur Dekontaminierung erfolgte die systematische Entwicklung und Nutzbarmachung der ehemals belasteten Areale und Flächen. Dazu wurde auf die Halde der ehemaligen Arsenhütte eine Asphaltschicht aufgebracht und eine 720 m lange Rennstrecke für Pocketbikes und Rennkarts angelegt. Darüber hinaus wurde das Huthaus saniert. Diese Maßnahme dient als Startpunkt für die Belebung des historischen Hüttenareals als Teil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.

Der Muldener Hütte fiel in Sachsen über Jahrhunderte eine zentrale Rolle zu. Mit dem Jahr 1825 begann ihr Ausbau zu einem industriellen Hüttenkomplex, der auch nach dem Ende des Freiberger Bergbaus im Jahr 1913 mit ausländischen Erzen bis 1991 weiter existierte und bis heute in der Sekundärbleihütte des Unternehmens ECOBAT am Standort Muldenhütten seine Fortsetzung findet.


Der Text beruht auf der Ausstellung „Gut für Freiberg!? — Muldenhütten im Industriezeitalter“.

Literatur

Albrecht, Helmuth: Konzeption zur umfassenden Nachnutzung des historischen Hüttenstandortes Muldenhütten bei Freiberg. Studie im Auftrag der Stiftung Innovation und Arbeit Sachsen. Freiberg 1999.

Kolmschlag, Franz-Peter / Muldenhütten Recycling und Umwelttechnik GmbH (Hgg.): Sieben Jahrhunderte Hüttenstandort Muldenhütten. Freiberg 2010.

Kolmschlag, Franz-Peter: Die Schlackenmetall GmbH in Muldenhütten: Ein innovatives Recyclingprojekt zur falschen Zeit. Freiberg 2022.

Sachanalyse: Muldenhütten als Teil des Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Die Erfahrungen der Zerstörung von Kultur und Natur durch den Zweiten Weltkrieg führten am 16. November 1945 zur Gründung der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) als rechtlich eigenständige Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Das Welterbeprogramm ist das bekannteste und erfolgreichste Programm der UNESCO. Grundlage bildet das 1972 verabschiedete Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (Welterbekonvention). Der Welterbe-Gedanke basiert auf der Einsicht, dass Kultur- und Naturerbe grundlegend die Ausdrucksformen des menschlichen Zusammenlebens und die Identität der Menschen prägen. Die Welterbekonvention dient daher nicht nur als Schutzinstrument, sondern auch der interkulturellen Verständigung, der Förderung kultureller Vielfalt und letztlich der weltweiten Friedenssicherung.

Die Welterbeliste umfasst über 1.100 Stätten in 167 Ländern, die das Erbe der Menschheit repräsentieren. Mehr als 50 Natur- und Kulturerbestätten in Deutschland sind in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben, womit Deutschland nach Italien und China die drittmeisten Welterbestätten aufweist. Zu ihnen gehören Altstädte, Kulturlandschaften, archäologische Stätten, religiöse Bauten und Industriedenkmäler genauso wie Bauten der Moderne, Zeugnisse der Erdgeschichte oder Wildnisgebiete. In ihrer Gesamtheit zeugen sie von der Vielfalt des Natur- und Kulturerbes in Deutschland.

Nach fast 20-jähriger Vorbereitungs- und Antragsphase wurde die transnationale deutsch-tschechische Welterbestätte Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří am 6. Juli 2019 auf der 43. Sitzung des Welterbekomitees in Baku/Aserbaidschan in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Die UNESCO erkannte damit der montanen Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří einen außergewöhnlichen universellen Wert für die gesamte Menschheit zu. Seitdem steht das Erzgebirge in einer Reihe mit Kulturdenkmalen wie den Pyramiden von Gizeh in Ägypten, dem Taj Mahal in Indien oder der Freiheitsstatue in New York.

Welterbe wurde die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří aufgrund dreier Besonderheiten.

  • Erstens war die Montanregion über 800 Jahre das weltweite Zentrum für herausragende technologische Innovationen und wissenschaftliche Errungenschaften im Montanwesen.
  • Zweitens ist sie ein außergewöhnliches Zeugnis für die weitreichenden Einflüsse des Bergbaus und des Hüttenwesens auf alle gesellschaftlichen Bereiche: Hier entwickelten sich ein bergbauliches Ausbildungssystem, eine staatlich kontrollierte Bergbauverwaltung und ein europäisches Währungssystem, die zusammen weltweit Standards setzten.
  • Drittens zeigt die Montanregion eine Kulturlandschaft, deren Wirtschaft vom 12. bis ins 20. Jahrhundert maßgeblich vom Bergbau und Hüttenwesen geprägt wurde; ihre Bergbaulandschaften spiegeln den Abbau der wichtigsten Erze — Silber, Zinn, Kobalt, Uran und Eisen — in verschiedenen Zeiten wider.

22 serielle Bestandteile, 17 sächsische und fünf böhmische, verteilt über das gesamte Erzgebirge, repräsentieren die montanistischen Besonderheiten der Region. Das Welterbe bilden die Bergbaulandschaften für Silber, Zinn, Eisen, Kobalt und Uran des Erzgebirges mit ihren Bergstädten, über- und untertägigen Bergbau- und Hüttendenkmalen, Haldenlandschaften und bergmännischen Wasserwirtschafts- und Infrastruktursystemen sowie die immateriellen Werte der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturentwicklung und die bis heute lebendigen Traditionen der Montanlandschaft.

Getragen und verwaltet wird die Welterbestätte Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří auf sächsischer Seite vom Verein Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V., dem 32 Kommunen und drei Landkreise angehören. Auf böhmischer Seite übernimmt diese Aufgabe die Montanregion Krušné hory — Erzgebirge, o.p.s., der sechs Kommunen sowie die Bezirke Karlovy Vary/Karlsbad und Ústí nad Labem angehören. Der Förderverein Montanregion Erzgebirge e. V. unterstützt zudem auf sächsischer Seite die ehrenamtlichen Aktivitäten für das Welterbe in der Region.

Zur Welterbestätte gehören neben Muldenhütten zwei weitere historische Hüttenkomplexe. In der Saigerhütte Grünthal wurde ab dem 16. Jahrhundert Silber aus silberhaltigem Kupfererz über das sogenannte Saigerverfahren gewonnen. Der Komplex der Saigerhütte ist das einzige erhaltene Beispiel einer vorindustriellen Hütte in Europa, die die Einführung des Saigerns dokumentiert. Diese Einzigartigkeit wird durch die Erhaltung des Hüttenwerks mit Produktions-, Verwaltungs- und Sozialeinrichtungen sowie der zugehörigen Infrastruktur verdeutlicht.

Der zweite Hüttenstandort ist das 1650 gegründete Blaufarbenwerk Schindlers Werk in Zschorlau. Hier wurden ab dem 17. Jahrhundert Kobalterze zur Herstellung von blauem Farbstoff verhüttet. Das Blaufarbenwerk ist ein seltenes Beispiel für ein vom 17. bis 19. Jahrhundert produzierendes, gut erhaltenes Kobaltwerk mit allen Produktionsanlagen sowie sozialen und administrativen Strukturen, das bis heute Ultramarinpigmente herstellt.

Der Industriestandort Muldenhütten ist der dritte historische Hüttenkomplex im Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Er gehört zum Welterbe-Bestandteil Bergbaulandschaft Freiberg, dem ältesten und wichtigsten Abbaugebiet für Silber im Erzgebirge, in dem von 1168 bis 1968 kontinuierlich Silber abgebaut wurde. Ursprünglich wurden die Erze des Freiberger Bergbaugebiets an vielen unterschiedlichen Standorten in der Region verhüttet. Im Zuge staatlicher Reformen blieben letztendlich zwei Hüttenkomplexe übrig, die älteren davon in Halsbrücke und Muldenhütten. Am ehemals größten und bedeutendsten Hüttenkomplex des Erzgebirges werden seit mindestens 600 Jahren bis heute Buntmetalle verarbeitet, und zahlreiche neue Technologien wurden ausgehend von diesem Standort entwickelt. Von 1887 bis 1953 war Muldenhütten Sitz der Sächsischen Staatsmünze beziehungsweise einer der Münzstandorte der DDR. Heute gilt der Industriekomplex als einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Hüttenstandorte der Buntmetallurgie in Deutschland.

Die drei Hüttenkomplexe haben wesentlich zur Eintragung als UNESCO-Weltkulturerbe beigetragen. Zum einen sind an anderen historischen Bergbaustandorten erz- und metallverarbeitende Stätten wie diese nicht erhalten geblieben. Zum anderen waren die Hüttenkomplexe Standorte herausragender technologischer Leistungen von weltweiter Bedeutung.

Literatur

Hansell, Friederike / Jesswein, Katharina / Grünberg, Claudia / Förderverein Montanregion Erzgebirge e. V.: Lokal erleben. Global lernen. UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Freiberg 2020.

Jesswein, Katharina / Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V. (Hgg.): Das UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Annaberg-Buchholz 2024.

Hansell, Friederike / Jesswein, Katharina / Urban, Michael / Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte (Hgg.): Merkblätter zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Teil A: Merkblätter zum UNESCO-Welterbeprogramm. Freiberg 2020.

Dies.: Merkblätter zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Teil B: Merkblätter zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Freiberg 2020.

Dies.: Merkblätter zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Teil D: Hintergrundwissen zur Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Freiberg 2020. URL: https://www.montanregion-erzgebirge.de/welterbe-aktuell/medien/publikationen.html, letzter Zugriff am 14.7.2025.

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