Forschen, Schmelzen, Staunen

Projekttage für Jugendliche von 12 bis 16 Jahren

Die meisten Angebote im Rahmen des Projekts wurden mit Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 Jahren durchgeführt. Insgesamt fanden neun Projekttage mit rund 150 Teilnehmenden statt. Aus den Erfahrungen wurde deutlich, wie sehr die handlungsorientierten Methoden bei den vermittelten Themen Anklang fanden. Experimente, Schatzsuchen, Zinnguss, der Einsatz von Drohnen, das eigenständige Fotografieren auf dem Gelände oder das sich bewegende Zylindergebläse motivierten die Jugendlichen in besonderem Maße. Viele der im Rahmen der Projekttage entwickelten Methoden finden sich in den Bildungsmaterialien wieder, da sie sich in der Praxis bewährt haben.

Schatzsuche, Zinnguss und Münzprägung

Im Juni 2024 wurde an vier Projekttagen mit insgesamt 56 Schüler:innen der fünften Klassen der Oberschule Gottfried Pabst von Ohain zusammengearbeitet. Das Gelände erkundeten die Schüler:innen im Rahmen einer Schatzsuche, bei der auch Experimente mit Zinn durchgeführt wurden. Die im Schatz enthaltenen Münzrohlinge wurden von den Jugendlichen zu Münzen geprägt. An die Exkursion nach Muldenhütten schloss sich ein weiterer Projekttag an, an dem die Schüler:innen die Ausstellung Vom Salz des Lebens – eine Reise in die Welt der Rohstoffe der TU Bergakademie Freiberg besuchten. Exkursion und Ausstellungsbesuch ergänzten sich im Hinblick auf das Thema Rohstoffe aus historischer und aktueller Perspektive besonders gut.

Begleitend zu den Projekttagen wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem die Schüler:innen selbst erstellte Präsentationen einreichen konnten. Diese basierten auf Fotografien und Videos, die während der Projekttage entstanden waren. Die Sieger:innen wurden im Rahmen einer klasseninternen Veranstaltung ausgezeichnet. Die Präsentationen zeugen davon, wie die Schüler:innen ihre Eindrücke und das erlangte Wissen reflektierten. Die Auszeichnungsveranstaltung, bei der die Ergebnisse erneut präsentiert wurden, reaktivierte das Wissen der Teilnehmenden. Gemeinsam mit der Vergabe kleiner Preise wurde so ein besonders nachhaltiges Lernerlebnis geschaffen.

Museumspädagogik zur Ausstellung „Gut für Freiberg!?“

Zwei weitere achte Klassen der Oberschule Gottfried Pabst von Ohain mit insgesamt 50 Schüler:innen nahmen im Juni 2025 an einem museumspädagogischen Programm zur Projektausstellung Gut für Freiberg!? teil. Die Klassen wurden jeweils in zwei Gruppen geteilt: Während ein Teil durch die Ausstellung geführt wurde, nahm der andere Teil an einem kreativpädagogischen Angebot teil. In der Mitte des Projekttages wurden die Gruppen getauscht. Während des Ausstellungsrundgangs erhielten die Schüler:innen Einblicke in Muldenhütten als Innovationsstandort. Dabei wurden sowohl positive Entwicklungen wie innovative Ofentechnologien als auch negative Auswirkungen wie Umwelt- und Gesundheitsschäden thematisiert.

Im kreativpädagogischen Teil konnten die Teilnehmenden verschiedene Aspekte der Ausstellung vertiefen und dabei zwischen drei Angeboten wählen. Im Angebot Modellbauprofi rekonstruierten die Schüler:innen mit Legobausteinen Öfen nach Grafiken aus De Re Metallica von Georgius Agricola. Dies knüpfte an die Ofenmodelle aus der Sammlung der TU Bergakademie Freiberg an, die in der Ausstellung gezeigt wurden. Genaues Hinschauen und technisches Verständnis waren notwendig, um die kleinen Modelle zu bauen.

In einem weiteren Angebot beschäftigten sich die Schüler:innen mit den ausgestellten Postkarten, die oftmals eine idealisierte Darstellung des Hüttenstandortes zeigten. Durch die Aufgabenstellung, Buttonmotive zu gestalten, wurden die Postkarten als historisches Werbemittel in die Gegenwart übersetzt. Dabei setzten die Schüler:innen sich mit der Motivfindung und den notwendigerweise entstehenden Abweichungen zur Realität auseinander.

Im dritten Angebot konnten die Schüler:innen sich näher mit der Traditionspflege beschäftigen. In den Fokus wurden Darstellungen von Hüttenmännern im Habit gerückt, die die Schüler:innen in Metallfolie prägen sollten. Dabei lernten sie nicht nur den damit verbundenen Aufwand, sondern auch die Bestandteile der Habite kennen.

Drohnen und 3D-Modelle: Structure from Motion

Ein ganz anderer didaktischer Zugang wurde bei den Projekttagen mit 30 Schüler:innen der achten Klassen des Gymnasiums Dresden-Klotzsche gewählt. Während einer Exkursion nach Muldenhütten lernten sie die Methode Structure from Motion kennen. Mithilfe einer Drohne wurde das historische Hüttengelände fotografiert, um daraus 3D-Modelle zu erstellen. Die Schüler:innen erhielten Einblicke in die zugrunde liegende Technologie und deren Bedeutung für die Industriearchäologie. Es zeigte sich ein großes Interesse an der Arbeit mit der Drohne; viele wünschten sich, zusätzlich kleinere Modelle fotografieren und rekonstruieren zu können.

Berufsvorbereitendes Jahr: Wandel lesen lernen

Im Juni 2025 fand zudem ein Projekttag mit 14 Schüler:innen des berufsvorbereitenden Jahres am Berufsschulzentrum Turnerstraße Freiberg statt. Die Gruppe wurde am Bahnhof empfangen und gebeten, den heutigen Zustand des Geländes mit historischen Ansichten zu vergleichen. Mit Hilfe dieser Methode konnten bereits viele Aspekte angesprochen werden, die im späteren Verlauf des Projekttags thematisiert wurden. Den Schüler:innen fielen besonders der starke Wandel des Geländes, die Halden, das Fehlen von Verschmutzung und Rauch sowie die zentrale Rolle der Mulde ins Auge.

Anschließend begaben sich die Schüler:innen auf einen Rundgang über das historische Hüttengelände. Die dort vermittelten Inhalte wurden in einer kreativ-experimentellen Phase vertieft. Zur Auswahl standen drei Angebote: eine fotografische Erkundung, der praktische Umgang mit Zinnguss und ein Mindmapping zur Zukunft des Ortes Muldenhütten. Die Mehrheit entschied sich für das Fotografieren und den Zinnguss; das Mindmapping fand keinen Anklang – vermutlich, weil es weniger explorativ ausgerichtet war.

Zum Abschluss besuchten die Schüler:innen das historische Zylindergebläse, das von Roland Kowar und Steffen Schmieder von der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft erklärt und vorgeführt wurde. Insbesondere in dem Moment, als das Gebläse in Bewegung gesetzt wurde, war die Faszination der Schüler:innen spür- und hörbar. Diese Erfahrung unterstreicht die große Bedeutung des Erhalts und der Zugänglichkeit historischer Anlagen für die pädagogische Arbeit.